Josef Burger wurde 1937 in eine Donauschwabenfamilie in Kroatien hineingeboren. Der Zweite Weltkrieg führt zu großen Veränderungen in seiner Kindheit – nach der Evakuierung im Planwagen nach Österreich muss er früh mitarbeiten und sich nebenbei sprachlich und sozial in ein neues Leben integrieren. So wird aus dem Donauschwaben ein oberösterreichischer „Mostschädel“, der die Freude am Lernen nie verliert und sich durch alle Veränderungen hindurch selbst treu bleibt.
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LESEPROBE
Meine Erinnerungen beginnen im Alter von vier oder fünf Jahren. Zuvor kann ich mich nur erinnern, dass ich mit meiner Schwester vorn beim Hof war, sie sollte Brennnesseln für die Enten schneiden, ich war da dreieinhalb oder vier Jahre alt. Irgendwie kam ich ihr wohl in die Quere und sie fuhr mir mit der Sichel von der Stirn bis zur Nase quer über das Gesicht, aber das Auge hat es zum Glück nicht erwischt. Da weiß ich noch, wie wir reinliefen zu meiner Mutter und mir das Blut über das Gesicht rann. Ob wir zum Doktor fuhren, weiß ich aber nicht mehr, jedenfalls ist es gut verheilt, man sieht die Narbe kaum noch.
Im Gegensatz zu später mochte ich als Kleinkind kein Kraut essen. Bei uns wurde Kraut mit Einbrenn und Paprika gekocht, das sah dann so ähnlich aus wie ein Erdäpfelgulasch und das mochte ich gerne, also aß ich auch das Kraut. Aber wehe, wenn ich beim Kochen gesehen hatte, dass da Kraut hineinkam, dann weigerte ich mich, es zu essen.
Damals gab es natürlich noch keinen Fernseher oder Computer und wir hatten auch nur wenige Spielsachen. Dafür gab es aber viele andere Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben, etwa mit Reiten. Um auf einem Pferd zu reiten, war ich damals noch zu klein. Einige Male ließ mich mein Vater vor ihm auf dem Pferd sitzen, aber das war ein seltenes Vergnügen, da er fast nie zuhause war. Wir Kinder ritten allerdings nicht nur gemeinsam mit Erwachsenen auf Pferden, sondern auch alleine auf Schafen. Die Schafe wurden nämlich immer von allen Bauern zusammen zum Grasen aus dem Dorf hinausgetrieben und am Abend dann wieder zurück, das war kein großer Aufwand, weil die Tiere den Weg zum eigenen Stall kannten. Wir Kinder schauten dann immer, wo unsere waren, und setzten uns auf einen Bock drauf. Dass es ein Bock war, war wichtig, weil der Hörner hatte, sodass man sich besser festhalten konnte. Da schwangen wir uns rauf und dann ging’s schon dahin. Nur ein Mal erwischte ich ein falsches Schaf und fand mich plötzlich in einem fremden Stall wieder.
Im Winter gab es eine andere Beschäftigung, da wurde der Mist mit Pferdeschlitten auf die Felder ausgebracht zum Düngen, und da hängten wir unsere Schlitten hinten beim Pferdeschlitten ein und fuhren mit bis zum Ortsrand. Ein Knecht bemerkte das aber einmal und wollte uns eine Lektion erteilen, also trieb er die Rösser an, sodass sie galoppierten. Das war dann natürlich zu schnell und zu gefährlich, um den Schlitten wieder abzuhängen, also mussten wir bis zum Feld mitfahren und dann den ganzen Weg nach Hause wieder zurückgehen. Da wir in einer sehr flachen Gegend lebten, wo es überhaupt keine Berge gab, war die einzig andere Möglichkeit, Schlitten zu fahren, in der Lehmgrube, wo sonst Ziegel hergestellt und getrocknet wurden.
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Informationen zum Buch
Johanna Wagmeier
DONAUSCHWABE UND MOSTSCHÄDEL
Die Geschichte meines Großvaters
ISBN: 978-3-903190-79-5
Verlag am Rande, 1. Auflage Juli 2026,
Hardcover, Fadenheftung, Lesebändchen
176 Seiten, € 24,20
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