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Der nicht nachvollziehbare, jähe Verlust seiner Frau stürzt den Mann in eine Leere,
in der er Grenzen überschreitet, von denen er vorher keine Ahnung hatte.
Um zu verstehen und sich selbst zu begreifen, muss er diese Leere durchmessen.
Ein Wagnis, bei dem er sich selbst aufs Spiel setzt, um nicht im Himmellosen hängen zu bleiben.
Eine überraschende Begegnung bringt eine tiefgreifende Wende.

"Ein bemerkenswerter, kontemplativer Text über Beziehungen."

Christian W. Winkelmann

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LESEPROBE

Nach ihrem Verschwinden war er herumgeirrt. Rastlos. Ohne wirklich zu wissen, wohin.
Sein Körper rannte Wege entlang, einem Tier gleich, das vergeblich eine Fährte suchte.
Nicht der kleinste Anhaltspunkt tat sich auf, der ihm hätte helfen können, sie wiederzufinden.
Er fühlte sich wie ein Luftballon.
Und mit jedem weiteren vergeblichen Versuch nahmen der Druck im Inneren und die Spannung an der Oberfläche zu.
Schließlich zog er sich einen spitzen Schiefer ein (wo und wie, war ihm entfallen).
Als würde die Luft schlagartig aus einem Ballon entweichen,
flitzte er wie ein Verrückter völlig orientierungslos durch die Gegend
und kam irgendwann zusammengeschrumpelt zu liegen.
Irgendwo. Eine leere Hülle. Eine Haut, die all ihre Spannkraft verloren hatte.
Die Ruhe, die nun folgte, hatte nichts Gelöstes.

Dann kam die Zeit, in der er an die Decke starrte.
Die feinen Risse dort. Der Mond. An ihn konnte er sich mit einem Mal erinnern.
Er musste ihn aus den Augenwinkeln heraus wahrgenommen haben. Sichelförmig.
Jetzt fiel es ihm wieder ein, sichelförmig hatte er ihn durch das Fenster gesehen.
Doch da war noch etwas gewesen.
Er strengte sich an, die Gefühle, die dieses Bild bei ihm ausgelöst hatte, wieder wachzurufen.
Vermutlich waren es gar keine Gefühle.
Denn in dieser Zeit, die noch nicht lange zurücklag, fühlte er so gut wie gar nichts.
Es musste ein Gedanke gewesen sein, vielleicht eine Assoziation.
Er schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn.
Natürlich, wie konnte er das vergessen haben? An eine Wiege hatte ihn dieser Sichelmond erinnert.
Nun, wo er diese Erinnerung wiedergefunden hatte, wurde er ruhiger.

Es folgten Tage, da kam ihm vor, als würde die Starre ihre Fesseln lockern.
Wann der Prozess einzusetzen begann, wie lange er dauerte, daran konnte er sich nur vage erinnern.
Leise ging die Veränderung vonstatten, kaum merklich.
Erst als seine Haut wieder an Spannkraft gewann, horchte er auf.
Dass ausgerechnet seine Haut sich zuerst veränderte, kam ihm bedeutsam vor.
Doch während er darüber nachdachte, trat eine Unruhe zutage,
die ihn ängstigte, und so entschloss er sich, vorerst nicht weiter nachzuforschen.
Er hörte auf, daran zu denken.
Vielleicht aber war er einfach nur zu müde, um sich darum zu kümmern.
Er wurde ruhiger und als die Gedanken plötzlich stillstanden,
wurde er sich des Raumes um sich herum bewusst, der Gegenstände darin, der Wände, des Bettes, auf dem er lag.
Er konnte nicht begreifen, wieso ihm all das über einen längeren Zeitraum einfach abhandengekommen war.

Dann hörte er sich atmen –
das Einströmen durch die Nase, das leichte Blähen der Backen beim Ausatmen.
Er erinnerte sich, wie sie einmal gesagt hatte: „Der Atem verbindet mich mit der Umwelt.“
Er versuchte, irgendetwas dabei zu empfinden,
aber anstatt sich verbunden zu fühlen, wurde ihm wieder ihr Fehlen bewusst.
Erneut fror er.

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INFORMATIONEN ZUM BUCH

Günther Resch
DER VERLUST DER LEERE
Roman
ISBN:  978-3-903190-36-8
1. Auflage Nov. 2020, Hardcover, Fadenheftung, Lesebändchen
248 Seiten, € 22,00

 

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